Zwangsdiät
Heute war wieder der freitägliche Familienausflug zum Supermarkt angesagt ...Bevor wir losfahren, stelle ich wie immer sicherheitshalber meine beiden Abfalleimer auf die Küchenablage, damit mein Schatzilein Sandy nichts damit anstellt. Das hat sie zwar lange nicht mehr gemacht, aber man weiß ja nie!
Auf der Fahrt unterhalten wir uns über Sandy; wie brav und gehorsam sie doch ist, wie selten sie mal Unfug macht.
Im Supermarkt stehe ich wie immer etwas planlos zwischen den Regalen und überlege, was ich für die kommende Woche noch alles brauche. Gefrühstückt habe ich heute auch noch nicht, also überfällt mich plötzlich der Heißhunger auf zwei frische Brötchen vom Bäcker mit Kochschinken. An der Kasse, kurz vor dem Bäcker, kommt mir in den Sinn, dass ich ja gestern Böreks gemacht habe. Schweren Herzens entscheide ich mich gegen die Brötchen, denn die Böreks sollte ich heute auf jeden Fall noch aufessen, weil morgen - geburtstagsbedingt - ein großes Familienfressen ansteht.
Zuhause angekommen schleppe ich meine Einkäufe nach oben. An der Tür erwartet mich mein Hund mit diesem speziellen Blick, der mich Böses ahnen lässt: Freude, dass ich wieder da bin, vermischt mit diesem Aufblitzen von dem, was wir Menschen "schlechtes Gewissen" nennen. Ich bin sicher, sie hat keines. Sie weiß nur, dass Frauchen gleich ein wenig ungehalten wird.
Stimmt. In der Küche erwartet mich das Chaos. Keine Ahnung, wie sie den Mülleimer mit dem gelben Sack von der Ablage bugsieren und ihn dann auch noch ohne jegliche Zahnabdrücke öffnen konnte - jedenfalls liegt der Inhalt des ehemals fast vollen Gelben Sacks in der ganzen Küche verstreut. Ich weiß, dass da nichts Fressbares mehr drin war, und ich weiß auch, dass Sandy niemals Plastik frisst, also kann ich den Teil mit dem sich Sorgen machen getrost überspringen und erstmal losschimpfen. Ein gewissenhafter Hundehalter aber schimpft in einer solchen Situation nicht mit dem Hund, sondern mit sich selbst, schließlich ist man selbst Schuld, dass man nicht alle interessanten Dinge hundesicher verstaut hat. Egal - ich brülle einfach "Du blöde Kuh", wer auch immer damit gemeint ist. Sandy steht neben mir und beobachtet schwanzwedelnd, wie ich meinem Plastikmüll ein neues Zuhause in einem frischen Müllsack gebe. Einige Hunde können grinsen; Sandy unterstreicht das noch mit Spielaufforderungen, während ich vor mich hin motze. Bin froh, dass sie mich wenigstens in den wirklich wichtigen Situationen ernst nimmt.
Mir fällt meine Lebensmittel-Abdeckhaube in die Hände. Moment, was macht die auf dem Boden? Die war doch über dem Teller mit den Böreks, den ich ganz hinten in die Ecke gestellt hatte, wo sie niemals ... Niemals? Man lernt nie aus.
Sandy riecht nach Knoblauch. Wenigstens einer von uns ist satt und zufrieden.
Der Artikel wurde am 18.07.2008 von Silvia veröffentlicht.
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